2017

20172018-11-22T11:50:58+00:00

In der Presse 2017

Fünf-Gänge-Menü für Gäste der Armenküche (RP+NRZ 28.8.2017)

Anita und Herbert Gülpers versorgten die Gäste am Rathaus. FOTO: a. endermann

Düsseldorf. Schon am Donnerstag haben Johanna Lochner, Swantje Poschmann und Christian Piel-Bruch, alle drei hauptamtliche Mitarbeiter der Altstadt-Armenküche, angefangen zu kochen. Schließlich musste am Samstagmittag alles fertig sein, ein Fünf-Gänge-Menü für 90 geladene Gäste. Von Beate Werthschulte

Keine leichte Aufgabe, lief doch der normale Betrieb in der Armenküche weiter. Dort erhalten seit September 1992 jeden Mittag rund 100 Gäste – Menschen, die etwa wohnungslos sind oder sich aus anderen Gründen keine Mahlzeit zubereiten können – ein warmes Essen.

Drei Vorspeisen gibt es, darunter Melone mit Serrano-Schinken, Rouladen nach Hausfrauenart mit Spätzle und Salat als Hauptgang und zum Nachtisch ein Tiramisu. „Wir haben in den letzten Wochen Einladungen verteilt, und zwar vor allem an Menschen, die wir schon seit langer Zeit kennen und begleiten“, erzählt Lochner. „Und wir haben sicherheitshalber etwas mehr gekocht als 90 Portionen, falls Gäste kommen, die versehentlich keine Einladung bekommen oder vergessen haben, sich anzumelden“, ergänzt Poschmann. Hungrig weggeschickt wird bei der Armenküche nämlich niemand.

Etwa 20 ehrenamtliche Helfer sorgen dafür, dass es den Gästen rundum gut geht. Die wiederum sind begeistert, die meisten haben sich für diesen Anlass schick angezogen, einige Männer sind im Anzug und mit Krawatte erschienen. So auch Dieter Wenzel-Haslinger, der regelmäßig zum Mittagessen in die Armenküche kommt. „Wir fühlen uns hier alle wie in einem Spitzenrestaurant“, sagt er. Selbstverständlich ist auch Pater Wolfgang Sieffert dabei und hat für jeden ein paar freundliche Worte. Ginge es nach dem Vorsitzenden des Vereins Altstadt-Armenküche, müsste eine solche Einrichtung längst überflüssig sein. Er wünscht sich, dass niemand mehr auf die Armenküche angewiesen ist.
Quelle: RP
www.rp-online.de/nrw/staedte/duesseldorf/fuenf-gaenge-menue-fuer-gaeste-der-armenkueche-aid-1.7039258

Die Armenküche tischt ein feines Menü auf (WZ, 28.8.2017)

Von Marjana Kriznik

Zu ihrem 25-jährigen Bestehen servierte die Armenküche geladenen Gästen ein Fünf-Gänge-Essen im Innenhof des Rathauses.

Das Küchenteam der Armenküche (v.l.) Swantje Poschmann, Christian Piel und Johanna Lochner im Einsatz beim Jubiläumsmenü.
Sergej Lepke

Düsseldorf. Im Innenhof des Rathauses sitzen Menschen an festlich gedeckten Tischen. Ober kredenzen aus Karaffen dunkelrot schimmernden Inhalt in stilvolle Weingläser. Vivaldis Vier Jahreszeiten erklingen. Bei den Ehrengästen handelt es sich um Bedürftige, Stammgäste der Armenküche, die Ober sind Ehrenamtler des Armenküchen-Teams. Und der edle Tropfen ist roter Traubensaft. Marion Gather, als Sozialarbeiterin hauptamtliche Mitarbeiterin der Armenküche, erzählt: „Wir servieren heute den Gästen, die zum großen Teil auf der Straße leben und die wir seit Jahren begleiten, ein feines Essen.“
Mit 120 Besuchern ist das Angebot an seine Grenzen gekommen

Das Team wird insgesamt 90 geladene Gäste seiner Armenküche in drei Schichten kulinarisch verwöhnen. Eine logistische Meisterleistung. Soeben wird der erste Gang – Melone und Serranoschinken – serviert. In der kleinen Küche brutzelt derweil der Hauptgang, Rouladen nach Hausfrauenart. Dazu gibt es Spätzle, Soße und Salat. Im Raum neben der Küche richten weitere Ehrenamtler Portionen der Vorspeise an: Salat aus weißen Bohnen und Paprika, liebevoll dekoriert mit essbaren Blüten. Der ein oder andere Gast hat sich schick gemacht, manche Herren tragen Krawatte. Überall entspannte Gesichter.

„Das ist unser Glück, hiervon werde ich lange zehren“, schwärmt eine 45-jährige Besucherin, die anonym bleiben möchte. Sie käme fast täglich zur Armenküche, verrät sie. Trotz Wohnung und Grundsicherung, auf die sie seit 20 Jahren angewiesen ist. „Ich habe schon sechs Ein-Euro-Jobs gemacht, aber das brachte mich nicht weiter“, berichtet sie. Gerne würde sie eine Aus- oder Weiterbildung machen, aber: „Sie sagen, jenseits der 40 bin ich zu alt dafür“, bedauert die dunkelhaarige Frau.

„Die Armenküche ist die beste Einrichtung, die ich kenne. Ich komme fast täglich“, freut sich auch eine 55-Jährige, während das Roastbeef serviert wird. Sie habe zwar eine Wohnung, bezöge aber aufgrund von „Rücken und Asthma“ seit acht Jahren Grundsicherung, also Hartz IV. „Von den 409 Euro bleiben mir abzüglich der Kosten für Strom, das Sozialticket und Kontoführungsgebühren etwas über 300 Euro,“ sagt die Frau. „Außerdem esse ich lieber in Gesellschaft. Allein kommen die Probleme immer wieder hoch“, sagt die Düsseldorferin.

Auch ein Enddreißiger sitzt mit relaxtem Gesichtsausdruck an einer der festlich gedeckten Tafeln. „Diese Einladung und das tolle Essen sind eine feine Sache“, schwärmt der Stammgast der Armenküche. „Ich bin seit fünf Jahren ‚ofw’ – ohne festen Wohnsitz – lebe auf der Straße und kenne alle Notunterkünfte,“ erzählt er frei von der Leber weg. Er sei selbständig, Grafiker und Städtebauer. „Ich habe mir das nicht selber zu verdanken, dass ich ‚ofw’ bin“, resümiert er und fährt fort: „Ich bin den Jobcentern hinterher gereist, aber wenn man wie ich nicht verortet ist…“ Gut möglich, dass er eine Doktorarbeit über sein Leben auf der Straße schreiben werde, sinniert er. Und dann wird bereits der nächste Gang aufgefahren.

Arbeit und Lobby

Bei der Armenküche am Burgplatz engagieren sich über 60 ehrenamtlich Mitwirkende sowie sechs hauptamtliche. Sie regeln die Arbeit in der Küche, bieten sozialarbeiterische Begleitung an und kümmern sich um Verwaltungsbelange. Darüber hinaus engagieren sie sich als Lobby in Politik und Gesellschaft für die Belange der Menschen. www.armenkueche.de

Übrigens: Wer keine Einladung erhalten hat, darf sich mit Landjägern, Brezeln und Obst eindecken. Johanna Lochner, seit über 20 Jahren beim Armenküchen-Team: „Es ist etwas Besonderes und wir freuen uns, dass wir das so anbieten können. Zum 20-Jährigen vor fünf Jahren saßen viele mit Tränen da, überwältigt davon, dass sie es wert sind, so ein Essen zu bekommen.“

Anfangs seien 40 gekommen. „Aber irgendwann sind wir mit 120 Besuchern an unsere Grenze gestoßen“, so Lochner. Marion Gather sagt: „Die Armenküche entstand als Reaktion darauf, dass das Ordnungsamt seinerzeit Platzverweise gegen Wohnungslose ausstellte.“ Mit einem Buscafé hat sich die Armenküche für eine Tagesstätte stark gemacht. Diese entstand unter Trägerschaft der Diakonie an der Ratinger Straße und zog später zur Liefergasse.

www.wz.de/lokales/duesseldorf/die-armenkueche-tischt-ein-feines-menue-auf-1.2504062

Mit Rockern auf der Bühne. Düsseldorf coolster Pater  (Express 12.6.2017)

Von Colja Schliewa 12.06.17

Pater Wolfgang Sieffert an der Mundharmonika zusammen mit der Band „Inferno“.
Foto: Nicole Gehring

Der Mönch mit der Mundharmonika: Er blies in sein Instrument, bis sich seine Kutte aufblähte: Bruder Wolfgang war der Star bei der samstäglichen Feier zum 25. Geburtstag der Düsseldorfer Armenküche. Ob bei den Punks von Cashbar Club, den Rockern von Inferno, oder den Rockabillys von den Panhandle Alks.

Der Punk-Pater gab alles
Der „Punk-Pater“ gab auf der Bühne alles. Besonders kniete der Franziskaner Mönch sich rein, als Inferno den Marius-Müller-Westernhagen-Klassiker „Mit 18“ spielte.
„Mit 18 rannt’ ich in Düsseldorf ’rum“ und „Ich will zurück auf die Straße“ – da kennt der sympathische Geistliche etwas von. „Gar nicht so einfach, die ganze Zeit so richtig abzurocken“, fand Bruder Wolfgang, sichtlich außer Puste, zwischendurch.
Und stand kurz darauf zum nächsten Einsatz wieder auf der Bühne. „Ist doch klar“, sagte der rockende Bruder. „Hier geben schließlich alle anderen auch absolut alles für den guten Zweck. Das ist von den Bands nicht hoch genug einzuschätzen.“
Die Auftritte mit Wolfgang Sieffert: Höhepunkte eines Festes, bei dem auf dem Burgplatz 2000 Portionen Erbsensuppe, 1000 Grillwürstchen, Kaffee und Kuchen für das leibliche Wohl und klingelnde Kassen der Altstadt-Armenküche sorgten.

Promis sammeln für Arme
Die erste Kelle Erbsensuppe schenkte Max Claus von der Düsseldorfer Komödie aus. Er wurde von seinen Kollegen Dorkas Kiefer und Jan Kittmann aus dem aktuellen Stück „Trennung für Feiglinge“ und Jens Hajek, Julia Kelz und Rolf Berg aus der kommenden Produktion im August an der Steinstraße sowie der Theaterleiterin Katrin Schindler unterstützt. Alle sammelten  fleißig Spenden für die Armenküche.
„Opa Haefs“, Fortunas Stadion DJ, Frontmann und Sänger der Punk-Band Cashbar Club, brachte CDs der Toten Hosen, von Fortunaspielern unterschriebene Trikots und anderes Merchandising der Bands mit, die reißenden Absatz zugunsten der Arbeit der Armenküche fanden. Damit alleine kamen über 700  Euro zusammen.

– Quelle: www.express.de/27778334 ©2017

Konzert der Armenküche (RP, 12.6.17)

Pater Wolfgang (re.) spielte beim Konzert der Armenküche mit der Band Cashbar Club.Foto: Endermann Andreas

Vorsichtig balanciert Karl-Heinz Gutmann einen Teller Erbsensuppe zu einem der Tische am Burgplatz. „Ganz einfach ist das bei den vielen Menschen nicht“, sagt er. Die Armenküche hatte am Samstag zu ihrem „Open Air Essen für Arme und Reiche“ auf den Burgplatz in der Altstadt eingeladen. Auch die Schauspieler der Komödie halfen bei der Suppenausgabe. „Ich bin sehr, sehr froh heute hier zu sein. Armut kann jeden treffen“, sagt Dorkas Kiefer. Katrin Schindler, Leiterin des Theaters an der Steinstraße, läuft mit einem riesigen Sparschwein herum und sammelt Spenden. Viele der zufälligen Besucher lassen sich von den Live-Bands anlocken. Nicht nur bei der Punkrock-Band Cashbar Club nimmt Moderator Pater Wolfgang seine Mundharmonika und begleitet die Musiker furios. „Ich freue mich, dass ich heute bei jeder Band einmal mitspielen darf“, sagt er strahlend.

Altstadt-Armenküche feiert 25. Geburtstag (WZ, 6.6.17)

Große Open-Air-Veranstaltung mit Bühnenprogramm und Essen für Arm und Reich.

Altstadt-Armenküche: Erbsensuppe gibt es für die Gäste kostenfrei.

Düsseldorf. Die Altstadt-Armenküche, die sonst im Düsseldorfer Rathaus täglich ein frisch gekochtes Essen für Bedürftige anbietet, feiert unter freiem Himmel ihr 25-jähriges Bestehen. Auf dem Burgplatz bietet sie am Samstag, 10. Juni, in der Zeit von 12 bis 18 Uhr „Essen für Arme und Reiche“ an. Dazu werden mehr als 1000 Gäste erwartet.

Oberbürgermeister Thomas Geisel eröffnet gemeinsam mit Schauspielern der Komödie um 12 Uhr die Ausgabe der klassischen Erbsensuppe, die von der Armenküche kostenfrei angeboten wird. Wer kann, darf spenden. Im Angebot außerdem gibt es gegen einen geringen Betrag zudem Grillwurst, Kaffee und Kuchen, Schumacher Alt und andere Getränke. Bis 18 Uhr unterhält ein Musikprogramm die Besucher. Alle Bands, die beim Open Air auftreten, verzichten auf ihre Gagen. Dieses Jahr sind das die Düsseldorfer Hardrocker von „Inferno“, „Cashbar Club“, eine Performance mit japanischen Taiko-Trommeln, die Düsseldorfer Kult-Band „Panhandle Alks“ und die Coverband „Firlefanz“.

Mit seinem „Open Air – Essen für Arme und Reiche“ setzt der Verein „Altstadt-Armenküche“ . ein Zeichen für ein verantwortungsvolles Miteinander in der Stadt, Respekt vor Schwächeren und eine gerechte und menschenwürdige Gesellschaft. Unterstützt wird das Fest außer durch die Bands und unter anderem durch die Stadtwerke Düsseldorf. Die Altstadt-Armenküche finanziert sich ausschließlich aus Spenden. Mehr Information gibt es im Internet:
armenkueche.de
www.wz.de/lokales/duesseldorf/open-air-veranstaltung-altstadt-armenkueche-feiert-25-geburtstag-1.2450510

Die Mitglieder der Tischgemeinschaft „Scholljonges“ der Düsseldorfer Jonges kochten auf dem Marktplatz für Bedürftige.

Ins Leben gerufen hatte diese Aktion Toni aus Düsseldorf. Gekocht wurde von Dirk Hoffmann, dem Fernsehkoch, der ebenfalls Mitglied der Tischgemeinschaft ist …

PDF öffnen

25 Jahre Armenküche in Düsseldorf (RP, 6.4.17)

Holger Kirchhöfer, Marion Gather, Johanna Lochner, Swantje Poschmann, Hubert Doods, Christian Piel-Bruch, Inge Dreier, Eva Ziob und Pater Wolfgang Sieffert (v.l.) von der Altstadt-Armenküche Düsseldorf
Mit Kraft rührt Inge Dreier in dem großen Topf mit Nudelsoße. Sie arbeitet ehrenamtlich in der Armenküche Düsseldorf. Hier, in einem Seitenflügel des Rathauses, werden täglich zwischen 12.30 und 14.30 Uhr bis zu 120 Mahlzeiten zubereitet und ausgegeben. Dazu braucht es viele helfende Hände. Mittlerweile arbeiten mehr als 60 Ehrenämtler für den Betrieb, der sich komplett aus Spenden finanziert. Die meisten arbeiten hier einmal die Woche, kochen, putzen und sprechen mit den Gästen. Drei Küchenkräfte sind fest angestellt und koordinieren die täglichen Abläufe.

Holger Kirchhöfer und Marion Gather sind Sozialarbeiter und jeden Tag da. „Es geht nicht nur um das Essen, sondern auch um Kommunikation und Kultur“, sagt Kirchhöfer und stellt einige Veranstaltungen vor, die anlässlich des Jubiläums geplant sind, zum Beispiel der Nachmittag „Kultur für Wohnungslose“ am 23. Mai mit dem Düsseldorfer Pantomimen Nemo. In Zusammenarbeit mit dem Fotografen Kaan Düzer entstand ein Fotobuch über die Gäste der Küche, das am 16. Mai im Rahmen einer Vernissage zu Düzers Arbeit „frei sein – Die Punks von der Kapu“ in der Rathaus-Galerie erscheint und zum Verkauf steht.

Vorsitzender Pater Wolfgang Sieffert wünscht sich, dass die Armenküche in Zukunft überflüssig wird. Nicht, weil er seiner Arbeit nicht gerne nachgeht, sondern weil er hofft, dass die Lebensverhältnisse für jeden Menschen besser werden. „Wenn Hartz IV in Zukunft für ein würdevolles Leben ohne Stress bei diversen Ämtern, dafür aber mit Selbstbestimmung eines jeden ausreicht, wäre das ein Traum“, sagt er.

(RP)

„Wir versuchen, auch auf Wünsche unserer Gäste einzugehen“, sagt Christian Piel-Bruch, der in der Küche beschäftigt ist. Dies ist nicht immer möglich, doch bisher hat jeder glücklich und vor allem satt die Einrichtung verlassen.

Düsseldorfer Armenküche kocht seit 25 Jahren für Bedürftige

Von Philipp Rose 05.04.2017 – 21:00 Uhr

Pater Wolfgang (rechts) und das Team der Armenküche kochen seit 25 Jahren am Burgplatz für Bedürftige. Am Tag kommen bis zu 100 Menschen.
Foto: Philipp Rose

Düsseldorf.  Seit 1992 gibt es am Burgplatz täglich eine warme Mahlzeit für Arme. Neben deftigem Essen gibt es für auch Hilfe bei der Bürokratie-Bewältigung.
Eigentlich sind 25 Jahre Armenküche kein Grund zum Feiern – denn es bedeutet in erster Linie, dass es immer noch zu viele Menschen gibt, die zu wenig Geld haben sich eine richtige warme Mahlzeit zu kochen. Keine 500 Meter entfernt vom Andreasquartier – dem neuen schicken „Wohnzimmer Düsseldorfs“ für jedermann – stehen die ersten Leute vor dem Eingang der Armenküche und warten, dass die Türe geöffnet wird. Jeden Tag gibt es am Burgplatz 3 in der Zeit zwischen 12.30 Uhr und 14.30 Uhr für 50 Cent eine warme Mahlzeit. Auf der Speisekarte stehen vor allem deftige Gerichte: Erbsensuppe, Gulasch mit Nudeln – wer will, bekommt so oft er möchte einen Nachschlag.
„Ich habe immer davon geträumt, dass die Armenküche überflüssig wird“, sagt Pater Wolfgang, der inoffizielle Chef der Armenküche. „Dass es uns gibt, ist ein Zeichen der Verantwortungslosigkeit der Verantwortlichen“, betont er und verweist auf die schwache Solidarität Deutschlands, wo seiner Meinung nach mehr für reiche, als für arme Kinder getan wird.
Armenküche hat zahlreiche Projekte ins Leben gerufen
Ein bisschen stolz sind Pater Wolfgang und sein Team dann aber doch auf das, was sie seit 1992 auf die Beine gestellt haben. Denn die Arbeit geht mittlerweile weit über die einer Armenspeise hinaus. Sie haben etliche Projekte ins Leben gerufen, darunter ein Bündnis für bezahlbaren Wohnraum, einen Trostkreis zur Trauerbewältigung und medizinische Hilfe für Wohnungslose. Mit der Obdachlosenzeitung fifityfifty wird eng zusammengearbeitet, es besteht immer Kontakt zu städtischen Behörden, wie dem Jugend- und Sozialamt. Denn was bei den Gästen, die zum Essen vorbeikommen, deutlich wird, ist die bürokratische Überforderung im Alltag. „Wenn eine Familie ein soziales Problem hat, dann müssen die für ihre Sozialleistungen mindestens zu fünf Ämtern gehen “, sagt Pater Wolfgang und bezeichnet den Bürokratieprozess als „entwürdigendes Ämter-Hopping“. Hinzu kommt, dass ein großer Teil der Bedürftigen nicht richtig lesen und schreiben kann, was die ohnehin schon oft komplizierten Amtsgänge erschwert. Deshalb hat sich in der Armenküche mittlerweile auch ein Büro eingefunden, in denen die Sozialarbeiter Marion Gather und Holger Kirchhöfer den Leuten vor Ort helfen.
Täglich wird für bis zu 100 Gäste in der Küche gekocht
In der Armenküche arbeiten derzeit sechs hauptamtliche und etwa 60 ehrenamtliche Mitarbeiter. Finanziert wird das ganze durch Spenden, die Stadt stellt die Räumlichkeiten kostenlos zur Verfügung. Die Räume sind klein, „sorgen dafür aber für eine besondere Atmosphäre“, so der Pater. Wenn am Tag bis zu 100 Gäste erscheinen, wird in Schichten gegessen. „Wir lassen niemanden zurück. Wer bis 14.30 Uhr kommt, kriegt etwas Warmes zu Essen“, so Pater Wolfgang.

http://www.nrz.de/staedte/duesseldorf/duesseldorfer-armenkueche-kocht-seit-25-jahren-fuer-beduerftige-id210167707.html

Weg mit der Armenküche (Düsseldorfer Anzeiger 6.4.17)

Das Team der Altstadt-Armenküche: Holger Kirchhöfer, Marion Gather, Johanna Lochner, Swantje Poschmann, Hubert Doods, Christian Piel-Bruch, Inge Dreier, Eva Ziob und Pater Wolfgang (v.l.). FOTO: mivi

„Schafft die Armenküchen ab!“- Das fordert Pater Wolfgang zum 25-jährigem Bestehen der Armenküche am Burgplatz. Von Milka Vidovic

Wenn Pater Wolfgang von den in Not geratenen Menschen erzählt, die die Armenküche in der Altstadt besuchen, dann nennt er sie „unsere Gäste“. Er verzichtet bewusst auf Begriffe wie „Obdachlose“, „Hartz 4-Empfänger“ oder „Arme“. „Bei uns sind alle auf Augenhöhe, und jeder wird mit Würde behandelt. Wir kochen hier auch nicht mit Resten. Die Leute bekommen eine vollwertige Mahlzeit“, sagt er.

Seit 25 Jahren gibt es die Altstadt-Armenküche. Und genau so lange schon fordert der Dominikaner ihre Abschaffung: „Wir leisten hier jeden Tag sehr wichtige Arbeit, aber ist es nicht traurig, dass es solche Küchen überhaupt geben muss?“

Pater Wolfgang träumt von besseren Lebensverhältnissen, in denen Menschen weder in die Armenküche noch zu anderen Suppenküchen oder zu Tafel gehen müssen, weil sie sich eine „normale“ Mahlzeit nicht leisten können. Er fordert eine soziale und gerechte Gesellschaft, in der Grundsicherung und Hartz 4 für ein Leben in Würde ausreichen und allen Menschen ermöglicht, an Kulturveranstaltungen in der Stadt teilzunehmen.

Seit ihrer Gründung im Jahr 1992 setzt sich die Altstadt-Armenküche für Menschen ein, die in Düsseldorf am Rande der Gesellschaft leben. Marion Gather ist schon seit 23 Jahren dabei und kümmert sich um die Anliegen und Probleme der Gäste. Denn neben der Essensausgabe ist die Sozialarbeit ein wichtiger Bestandteil des Konzepts. „Viele brauchen Unterstützung bei Anträgen zur Sozialhilfe oder dem Arbeitslosengeld oder suchen Hilfe wegen ihren Sucherkrankungen. Da springen wir dann ein“, erklärt die Sozialarbeiterin.

Marion Gather kann sich mittlerweile keinen anderen Arbeitsplatz mehr vorstellen. Wenn sie in Not geratenen Menschen helfen konnte, macht sie das glücklich. Traurige Momente gibt es natürlich auch, sagt sie. So starben im vergangenen Jahr 16 Menschen, die sie begleitet hatte. Manche wegen Krankheit, andere an einer Überdosis.

Zum 25-jährigem Bestehen der Küche wird es im Laufe des Jahres mehrere Veranstaltung geben. Heute gibt es zwischen 12 Uhr und 14 Uhr auf dem Marktplatz ein Live-koch-Event. Unter dem Motto „Düsseldorfer kochen für Bedürftige“ laden TV-Koch Dirk Hofmann und weitere Düsseldorfer Prominente zum Essen ein.

Weitere Veranstaltungstermine gibt es unter www.armenkueche.de/aktuelles.

www.duesseldorfer-anzeiger.de/die-stadt/weg-mit-der-armenkueche-aid-1.6739143

Respekt und warmes Essen (Düsseldorfer Anzeiger 5.4.17)

Swantje Poschmann arbeitet seit 17 Jahren in der Armenküche in der Altstadt. Gast Jan Biel kommt regelmäßig zum Mittagessen vorbei.FOTO: mivi

Der Speisesaal der Altstadt-Armenküchen ist brechend voll. Jeden Tag zwischen 12.30 und 14.30 Uhr kommen bedürftige Menschen hier her, um wenigstens ein Mal am Tag eine warme Mahlzeit zu bekommen. In den Räumen am Burgplatz 3 gibt es aber nicht nur etwas zu essen. Hilfesuchende finden hier auch ein offenes Ohr für ihre Probleme. Von Milka Vidovic
„Bei uns geht es nicht nur ums Essen“, sagt Swantje Poschmann und schöpft mit der Suppenkelle eine Portion Eintopf auf den Teller von Gast Jan Biel. „Hinter jedem Schicksal unserer Gäste steht ein Mensch, der Respekt verdient.“
Seit 17 Jahren arbeitet Swantje Poschmann in der Altstadt-Armenküche. Rund 100 Mahlzeiten am Tag bereitet sie mit zwei weiteren Mitarbeitern und 60 Ehrenamtlern vor.
Damit pünktlich ab 12.30 Uhr hilfsbedürftige Menschen ihr Mittagessen bekommen können, fängt das Küchenteam bereits um neun Uhr an, Gemüse zu schnibbeln. „Das ist viel Arbeit und sehr anstrengend, aber wenn ich in die zufriedenen Gesichter der Leute schaue und sie mir sagen, dass es geschmeckt hat, weiß ich, dass sich die Mühe lohnt“, sagt Swantje Poschmann.
Seit 25 Jahren gibt es die Armenküche in der Altstadt. Und das wird gefeiert: Mit der Aktion „Düsseldorfer kochen für Bedürftige” wird es am Donnerstag zwischen 12 und 14 Uhr auf dem Marktplatz ein gemeinsames Mittagessen geben.
Eingeladen ist jeder.

www.duesseldorfer-anzeiger.de/die-stadt/respekt-und-warmes-essen-aid-1.6736714

Pro­mis sam­meln für Alt­stadt-Ar­men­kü­che (RP, 28.3.17)

Axel Bellinghausen unterzeichnete das Plakat. Foto: Boris Zorn

Düsseldorf  Die Altstadt Armenküche feiert dieses Jahr ihr 25-jähriges Bestehen. Grund genug, um ihre Arbeit zu unterstützen, dachten sich Jörn Weigel und Benjamin Rauh. Die Erschaffer der Comic-Figur „Toni“ haben ein Plakat ihrer Figuren entworfen und auf der Leinwand viele bekannte Düsseldorfer unterschreiben lassen.

Die Altstadt Armenküche feiert dieses Jahr ihr 25-jähriges Bestehen. Grund genug, um ihre Arbeit zu unterstützen, dachten sich Jörn Weigel und Benjamin Rauh. Die Erschaffer der Comic-Figur „Toni“ haben ein Plakat ihrer Figuren entworfen und auf der Leinwand viele bekannte Düsseldorfer unterschreiben lassen.

Mit dabei sind unter anderem die Fortuna-Spieler Axel Bellinghausen und Oliver Fink sowie Daniel Kreutzer von der DEG. Auch Wagenbauer Jacques Tilly und der frühere Radiomoderator Manni Breuckmann haben auf dem Plakat unterschrieben. Das Unikat wird auf der Plattform Ebay versteigert. Bis gestern waren bei der Auktion, die heute gegen 13 Uhr endet, bereits mehr als 800 Euro zusammengekommen. Zu finden ist das Angebot unter dem Stichwort „Leinwand Toni & Friends“.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Erschaffer der Comic-Figur „Toni“ für einen guten Zweck sammeln. Bereits 2016 ließen sie unter dem Motto „Toni & Friends“ auf einem Poster unterzeichnen, das anschließend zugunsten des Kinder- und Jugendhospiz Regenbogenland versteigert wurde. Bei „Toni“ handelt es sich um eine Comic-Figur mit starkem Heimatbezug. Sie erlebt Geschichten, die viel mit Fußball und Eishockey zu tun haben. Viele bekannte Düsseldorfer wurden bereits in die Comicwelt übertragen. Zum Beispiel Musiker wie Doro Pesch und Heino, aber auch Weltmeister Toni Turek, Literat Heinrich Heine und Kurfürst Jan Wellem.

(jaw)

Armenküche: Mehr als ein Essen (WZ, 5.1.17)

Marion Gather ist Sozialarbeiterin in der Armenküche am Burgplatz. Bei ihr finden Obdachlose Hilfe und Halt. Das Team: Christian Piel, Anja Grote, Inge Dreier, Johanna Lochner, Rolf Härtel und Marion Gather (v. l.). Foto MZ

Von Ines Arnold

Düsseldorf. Es klopft. Marion Gather sprintet in den Flur, den Telefonhörer am Ohr. Sie gestikuliert, macht den zwei Männern vor der Glastür deutlich, dass sie sich noch einige Minuten gedulden müssen. Eigentlich ist ihre Sprechstunde erst in einer halben Stunde. Eine Ausnahme macht die Sozialarbeiterin aber – wie so oft – gerne.

Seit 23 Jahren arbeitet sie in der Armenküche am Burgplatz, einem unabhängigen Verein, der sich allein durch Spenden finanziert. Sie ist Ansprechpartnerin und Vertraute für viele Obdachlose, die Hilfe bei Ämterkontakten, der Wohnungssuche und anderen Problemen suchen.

Nebenan in der Küche brutzelt das Hähnchen in der Soße. Seit 9 Uhr stehen Christian Piel und Johanna Lochner am Herd. Auch heute werden pünktlich um 12.30 Uhr rund 90 Portionen warmes Essen an Bedürftige ausgegeben – wie jeden Tag im Jahr. Außer Rosenmontag. „Denn an Karneval kommt hier niemand rein noch raus“, sagt Marion Gather, die mittlerweile das Telefonat beendet und die zwei Männer in ihr winziges Büro gebeten hat.

Sascha Delvos, einer der zwei, ist ein alter Bekannter. „Früher war ich öfter hier“, sagt der 41-Jährige. Lange Zeit habe er auf der Straße gelebt, dank Gathers Hilfe beziehe er nun Sozialhilfe und schlafe mal hier, mal dort auf der Couch. „Sie ist die Beste“, sagt er über die Sozialarbeiterin. „Sie beißt sich fest. Sie lässt nicht locker. Und gibt einem den nötigen Tritt in den Hintern.“

Ob in der Sprechstunde oder bei der Essensausgabe – jeder werde in den Räumen der Armenküche gleich behandelt. „Ob er nun betrunken ist oder schlecht riecht, weil er schon lange keine Dusche mehr hatte.“ Heute braucht der 41-Jährige noch einmal Marion Gathers Hilfe. Er will endlich einen dauerhaften Wohnsitz haben. Bei seinem Kumpel könnte er unterkommen, aber dem will er auch nicht auf der Tasche liegen. Marion Gather nimmt sich Zeit für die beiden Männer. Am Ende verspricht sie, sich noch heute mit dem Vermieter in Verbindung zu setzen.

Marion Gather hilft einer Frau, die ihr Bahnticket nicht zahlen kann

Spenden Die Armenküche ist ein unabhängiger Verein, der auf Initiative der Dominikaner entstanden ist. Vorsitzender ist bis heute Pater Wolfgang (Sieffert). Die Armenküche lebt ausschließlich von Geldspenden. Damit werden Lebensmittel beim Großmarkt gekauft. Einzelne Lebensmittelspenden gibt es auch: Ein Bäcker liefert regelmäßig Brot. Die Gäste zahlen pro Besuch 50 Cent. Ehrenamt Fünf hauptamtliche Helfer in Teilzeit und rund 60 ehrenamtliche Helfer betreiben die Armenküche. Wer mitmachen möchte, kann sich unter Telefon 3 23 77 80 melden. Jubiläum In diesem Jahr besteht die Armenküche 25 Jahre.

Kaum sind die beiden aus der Tür verschwunden, klopft es erneut. Eine junge Frau, deren Papiere abhanden gekommen sind, hat keinen Cent mehr in der Tasche. Sie kann weder ihre Rezepte fürs Methadon noch ein Bahnticket bezahlen. Ohne Ausweispapiere erhält sie keine Sozialleistungen. Marion Gather kramt in einer Kiste und drückt der Frau Sekunden später zwei Rheinbahntickets in die Hand. Erleichtert steckt die junge Frau die Karten in die Hosentasche. „Das ist schon mal super, die kontrollieren zurzeit voll oft in der Bahn. Noch mehr Ärger kann ich mir nicht leisten.“

Dann nimmt sich die junge Frau noch einige Exemplare der Obdachlosenzeitung Fifty-Fifty. Einen Ausweis für den Verkauf hat sie bereits, die Einnahmen kann sie behalten. Die junge Frau bedankt sich und verspricht, morgen wiederzukommen. Marion Gather weiß, dass sie sich vermutlich nicht daran halten wird.

„Das alles funktioniert nur im Team.“

Marian Gather über die Arbeit in der Armenküche

Es ist mittlerweile 12.30 Uhr. In der Küche nebenan ist alles für die Essensausgabe vorbereitet. Johanna Lochner öffnet die Glastür, vor der schon ein Dutzend Menschen warten. Mit einem Strahlen auf dem Gesicht verkündet sie das heutige Menü: Hähnchen mit Reis, als Beilage Eisbergsalat und als Nachtisch Himbeercreme. In dem schmalen Flur bildet sich eine lange Schlange. Marion Gather steht im Türrahmen ihres Büros und begrüßt die Gäste lächelnd. Die meisten Gesichter sind ihr langjährig bekannt. Sie grüßt, schüttelt einige Hände, erkundigt sich nach dem Befinden, quatscht über das Wetter.

18 Menschen finden gleichzeitig einen Sitzplatz. Rolf Härtel, ein pensionierte Elektroingenieur, der seit sechs Jahren ehrenamtlich einmal wöchentlich in der Armenküche hilft, reicht jedem Gast einen Salat. „Das alles funktioniert nur im Team“, kommentiert Gather das Treiben.

All die Menschen, denen sie täglich begegnet, sind ihr ans Herz gewachsen. Dazu zählen die Kollegen, aber auch die vielen Menschen, die ihre Hilfe in Anspruch nehmen. „Ich habe von ihnen gelernt. Über die vielen Möglichkeiten des Lebens und des Überlebens, darüber, wie viel man als Mensch aushalten kann, aber auch über Solidarität untereinander.“

Brenzlige Situationen habe es aber selbstverständlich auch gegeben. „Das bleibt nicht aus. Ein Drittel der Menschen, die herkommen, sind psychisch krank oder haben eine Suchterkrankung“, sagt Gather. Das Team wisse aber ganz genau, wie es sich in einer solchen Situation verhalten muss: Die männlichen Mitarbeiter halten sich zunächst zurück. Marion Gather und ihre hauptamtliche Mitarbeiterin versuchen dann zu schlichten. „Das schwierigste daran ist, unsere Leute davon abzuhalten, einzuschreiten und uns zu helfen“, sagt Gather.

Bedroht gefühlt habe sie sich sicherlich schon mal. „Aber wenn ich jemals Angst bekäme, dann müsste ich wohl gehen.“ Die Mutter zweier erwachsener Kinder hat Rituale gefunden, mit deren Hilfe sie genügend Abstand zur Arbeit gewinnt. „Ich gehe jeden Tag zu Fuß nach Hause. Da lasse ich den Tag Revue passieren und finde einen Abschluss.“

Manchmal aber fällt der ihr ganz besonders schwer: „Im vergangen Jahr sind 16 Menschen gestorben. Darunter ein Mann, den ich seit 23 Jahren begleitet habe. Das ist mir sehr nahe gegangen.“